Ein großer Aufbruch

Bühne/Kostüme: Stephan Mannteuffel, Dramaturgie: Laura Friedrich

Zunächst kommt das Stück in der Inszenierung von Alexander Schilling sehr unterhaltsam daher. Schnelle Dialoge, manche Pointe, durchaus auch mit Hang zum makabren Kalauer, erzeugen eine geradezu boulevardeske Stimmung. Dabei geht es um ein ernstes Thema: Holm ist todkrank. In den nächsten Tagen will er in der Schweiz Sterbehilfe in Anspruch nehmen und sich heute Abend von den Menschen verabschieden, die ihm wichtig sind. Vor allem aber will er sein – wie er “ndet – gelungenes Leben feiern. Jürgen Roth spielt den Holm als kraftvollen Lebemann; Gernot Schmidts Adrian sorgt mit wunderbar trockenem Humor für Tempo und manchen Lacher, während Chris Nonnast mit glaubhafter Hysterie seine Frau Katharina verkörpert.
Wohl nicht von ungefähr sind die Charaktere im ersten Teil geradezu klischeehaft gezeichnet. Umso größer ist die Fallhöhe nach der Pause, als die von allen mühsam aufgerichteten Fassaden in sich zusammenfallen. Natascha Mamier gibt ihrer Marie einen großartigen Turn von der toughen Powerfrau zur sensiblen Schwester; Kathrin Osts Charlotte ist zunächst das naive Girlie, das später umso tiefere Abgründe o!enbart. Nur Ella (Julia Blechinger) und Heiko (André Lassen) scheinen sich einigermaßen treu zu sein – wobei Ella ihre Wandlung vom Junkie der 70er zur „passablen Ärztin” ja bereits hinter sich hat. Und interessanterweise sind es dann vor allem diese beiden, die den so starken und selbstbewussten Holm dann als furchtsamen Blender entlarven. Das […] Premierenpublikum geht jedenfalls hörbar mit und dankt dem engagierten Ensemble mit begeistertem Applaus.

Friedrich Wilhelm Rödding, Lippische Landeszeitung

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Fotos

Darsteller

Julia Blechinger, Chris Nonnast, Kathrin Ost, Natascha Mamier (Verena Karg)*, André Lassen (Heiner Junghans)*, Gernot Schmidt, Jürgen Roth

*ursprüngliche Besetzung/Fotos 2020